Kita Cocorí

Im Porträt: Lorelly Bustos Córdoba

Der bilinguale Kindergarten «Cocorí»

«Cocorí», ein costaricanisches Kinderbuch, erzählt die Geschichte eines Jungen, der ein Mädchen aus Übersee kennen lernt und ihr den Reichtum des Urwaldes zeigt. «Es ist ein Märchen, in dem Multikulturalität gezeigt wird», erzählt die Sozialpädagogin Lorelly Bustos Córdoba. «Cocorì» heißt auch der bilinguale Kindergarten, den sie in Hamburg gegründet hat.

Rund 30 Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren will Lorelly Bustos in ihrem Kindergarten ab September 2006 betreuen. «Cocorí» ist damit der erste spanisch-deutsche Kindergarten Hamburgs, der auch Kinder unter drei Jahren aufnimmt. Mit ihrem Konzept will Bustos zugewanderte Familien mit Spanisch als Muttersprache und binationale Familien ansprechen, aber auch einheimische Familien, die ihren Kindern früh eine zweite Sprache eröffnen wollen. «Es geht aber nicht nur um die andere Sprache, sondern auch um eine multikulturelle Erziehung», betont sie. Weil die Kinder verschiedener Herkunft schon früh im Kindergartenalltag miteinander leben, werde Toleranz und Weltoffenheit gefördert.

Lorelly Bustos Córdoba wurde 1967 in Puerto Limón, einem kleinen Ort an der Atlantikküste von Costa Rica geboren. Nach der Schule begann sie Tourismus zu studieren und wollte danach mit ihrer Schwester zusammen in der Tourismusbranche arbeiten. Doch Ende 1995 ging Lorelly Bustos mit ihrem deutschen Mann nach Hamburg. «Als ich nach Deutschland kam, war klar: Ich musste mir einen neuen beruflichen Weg schaffen», sagt sie. Tourismus kam für sie nicht in Frage. Sie hatte die Ausbildung noch nicht abgeschlossen und außerdem war dieser Berufswunsch zu eng mit ihrer Heimat verbunden: «Ich wollte den Menschen die Schönheit Costa Ricas zeigen», erzählt sie. Dann hatte Lorelly Bustos die Idee, einen bilingualen Kindergarten zu gründen. «Kinder sind so bunt wie der costaricanische Tourismus», so die Mutter von José Ricardo (17) und Kim Valerie (9) lachend. Außerdem wollte sie unbedingt etwas mit ihrer Muttersprache machen, «um meine kulturelle Identität zu pflegen». Auch die politische Situation war günstig: Mitte der 1990er waren Kinderbetreuung und ein größeres Angebot an Betreuungsplätzen ein wichtiges Thema in Hamburg.

Lorelly Bustos lernte deutsch und studierte Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogische Arbeit in Einrichtungen für Kinder. Während des Studiums arbeitete sie ein pädagogisches Konzept aus, ihre Diplomarbeit schrieb sie zum Thema «Bilinguale Erziehung im vorschulischen Alter». Die bürokratischen und finanziellen Hürden der Gründung ging Lorelly Bustos nach dem Abschluss an. Dabei holte sie sich Hilfe beim Verein «Unternehmer ohne Grenzen». Das Projekt habe «auf jeden Fall Aussicht auf Erfolg», sagt Jean-Pierre Munyaneza von «Unternehmer ohne Grenzen». Der Berater hat mit Lorelly Bustos den Finanzplan ausgearbeitet. Die spanische und lateinamerikanische Gemeinde in Hamburg sei groß und das Interesse an bilingualer Erziehung nehme auch unter deutschen Eltern zu. Außerdem kenne sich Lorelly Bustos «sehr gut aus», sagt Munyaneza.

Dass ihr Konzept überzeugt, zeigte sich auch im Gespräch mit der Bank: Lorelly Bustos erhielt sofort eine Kreditzusage. Auch die Zusammenarbeit mit der Behörde für Soziales und Familie ist gut. «Bis jetzt habe ich nur Glück gehabt», sagt Bustos. Nur die Raumsuche gestaltete sich schwierig und dauerte ein Jahr. Im Oktober 2006 wird der Kindergarten «Cocorí» mit zunächst acht Kindern und vier bilingualen Erzieherinnen die Arbeit aufnehmen. Bis März 2007 werden weitere 23 Kinder dazukommen. Am «Tag der offenen Tür», am 30. September 2006, können sich alle interessierte Eltern die Kita Cocorí anschauen.

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